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Unrealistische Erwartungen in der Erziehung: Neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft

5 konkrete Tipps für einen entspannteren Alltag – ganz ohne unrealistische Erwartungen der Eltern

itelbild Blogartikel Unrealistische Erwartungen in der Erziehung

Wenn Wunschbilder mit Realität kollidieren

Fast alle Eltern wünschen sich, dass ihr Kind selbstständig, ordentlich und ausgeglichen ist. Doch der Alltag sieht oft anders aus: Das Kind trödelt am Morgen, weigert sich beim Gemüse, oder das Einschlafen dauert eine halbe Stunde länger als geplant. Was bleibt, ist Frust auf beiden Seiten. Unrealistische Erwartungen der Eltern sind ein unterschätzter Stressfaktor, der nicht nur Konflikte befeuert, sondern auch langfristig die Eltern-Kind-Beziehung schwächen kann.

Eine große Langzeitstudie aus Deutschland zeigt, dass zu hohe Erwartungen nicht nur die Leistung mindern, sondern auch das Wohlbefinden der Kinder deutlich reduzieren. Das gilt nicht nur für die Schule – auch im Alltag wirken unrealistische Ansprüche wie ein unsichtbarer Druck.

Typische Alltagssituationen: Wo Eltern sich selbst im Weg stehen

Viele Eltern setzen Standards, die kaum einzuhalten sind. Beispiele aus Studien und Elternbefragungen:

  • Morgenroutine: Kinder sollen pünktlich, eigenständig und ohne Erinnerung fertig sein – doch Untersuchungen zeigen, dass erst ab etwa 10 Jahren eine stabile Selbstorganisation möglich ist.
  • Ordnung: „Das Zimmer muss immer sauber sein“ – laut Entwicklungspsychologie ist ein kindgerechtes Aufräumen in Etappen realistisch, nicht Perfektion.
  • Essen: Erwartet wird problemloses Essen neuer Speisen. In Befragungen gaben aber 40–50 % der Eltern an, dass „Picky Eating“ in den ersten Jahren völlig normal ist.
  • Emotionen: Viele Eltern erwarten Gelassenheit, obwohl Studien zeigen, dass Kinder im Alter von 3–7 Jahren starke Emotionen nicht selbst regulieren können.

⛔ Diese Diskrepanzen zeigen: Häufig liegt das Problem nicht beim Kind, sondern in einer Fehlkalibrierung der elterlichen Erwartungen. In der modernen Erziehung sollten Eltern immer auf verantwortungsvolles Handeln der Kinder statt auf striktes Gehorsam setzen, nur damit die Erwartungen der Eltern erfüllt werden.

Warum Eltern zu viel erwarten – und was Forschung dazu sagt

① Stress & Erschöpfung:

👉 Eltern mit hohem Alltagsstress neigen laut einer Studie der KU Leuven deutlich häufiger zu kontrollierendem Verhalten.

② Vergleiche mit anderen Kindern:

👉 In Umfragen berichten 60 % der Eltern, dass sie sich am Tempo von Nachbarskindern oder Schulfreunden orientieren – und damit Erwartungen verschärfen.

③ Eigene Biografie:

👉 Eltern übertragen oft unbewusst eigene Wünsche und Versagensängste auf ihr Kind.

Welche Folgen können unrealistische Erwartungen für Kinder haben?

Psychische Belastung:

Kinder, die sich ständig überfordert fühlen, zeigen häufiger Stresssymptome wie Bauchschmerzen, Gereiztheit oder Schlafprobleme.

Selbstwertprobleme:

Wenn Kinder regelmäßig scheitern, sinkt das Vertrauen in die eigene Kompetenz.

Beziehungsbelastung:

Eine Metaanalyse von 2017 zeigt, dass harsche Erwartungen die Qualität der Eltern-Kind-Bindung messbar schwächen.

Praxis-Check: Wie Eltern ihre Erwartungen überprüfen können

Anstelle langer Listen reicht oft eine einfache Reflexion:
❓ Passt meine Erwartung wirklich zum Alter meines Kindes?
❓ Wäre ich heute strenger, nur weil ich selbst gestresst bin?
❓ Reicht ein „gut genug“-Ergebnis, anstatt auf Perfektion zu bestehen?

Schon dieser kurze Selbsttest hilft, überhöhte Ansprüche zu erkennen und abzubauen.

Tipps aus der Forschung für einen entspannteren Alltag

① Realistische Standards setzen:

👉 Orientiere dich an Entwicklungsstufen, nicht an Wunschbildern. Die CDC-Milestones bieten klare Richtwerte.

② Fehlerfreundlichkeit fördern:

👉 Kinder lernen durch Ausprobieren. Wer Fehler als Lernchance sieht, stärkt Selbstvertrauen.

③ Prozesse statt Ergebnisse loben:

👉 Statt „Super, dass du fertig bist“ wirkt „Toll, wie konzentriert du gearbeitet hast“ nachhaltiger.

④ Flexibilität einplanen:

👉 Erwartungen dürfen je nach Tagesform variieren.

⑤ Eigene Ressourcen beachten:

👉 Wenn du selbst müde bist, senke deine Ansprüche – das entlastet beide Seiten.

Fazit

Unrealistische Erwartungen Eltern sind kein Randthema, sondern prägen den Alltag fast jeder Familie. Sie entstehen oft unbewusst, haben aber messbare Folgen für Kinder: mehr Stress, weniger Selbstvertrauen und schwächere Bindung. Die gute Nachricht: Schon kleine Korrekturen im Alltag – etwa das Zulassen von Fehlern, das Absenken von Standards oder das bewusste Loben von Prozessen – haben eine große Wirkung.

💖Am Ende zählt nicht Perfektion, sondern Beziehung. Kinder brauchen Eltern, die zwar klare Antworten Erwartungen kommunizieren, sie aber genauso gut anpassen können – und die Gelassenheit haben, auch „gut genug“ gelten zu lassen.

Häufige Fragen (FAQ)?

Wie erkenne ich unrealistische Erwartungen an mein Kind?

Wenn du öfter frustriert bist, weil dein Kind nicht „funktioniert“, oder wenn deine Forderungen nicht altersgerecht sind, sind die Erwartungen meist zu hoch.

Welche Folgen haben zu hohe Erwartungen für Kinder?

Kinder entwickeln schneller Stress, Selbstzweifel und Widerstand, wenn sie merken, dass sie Erwartungen dauerhaft nicht erfüllen können.

Wie kann ich meine Erwartungen im Alltag besser regulieren?

Orientiere dich an Entwicklungsstufen, baue Puffer ein und setze lieber auf kleine Fortschritte und Prozesse statt auf Perfektion.

Quellen


Mori, Y., & Spinath, B. (2015). Longitudinal Effects of Parents’ Aspirations on Children’s Academic Achievement. Child Development, 86(2), 664–679: Link
Mabbe, E., Soenens, B., Vansteenkiste, M., et al. (2018). The role of parents’ daily experiences of psychological need frustration in explaining the day-to-day variability in controlling parenting. Parenting: Science and Practice, 18(2), 86–109: Link
American Psychological Association (2019). Parental expectations and child outcomes: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 145(6), 543–571: Link
Centers for Disease Control and Prevention (CDC) (2022). Developmental Milestones: Link
Pinquart, M., & Shen, Y. (2017). Behavior Problems in Children and Adolescents in Relation to Parental Expectations: A Meta-analysis. Journal of Child and Family Studies, 26(2), 376–395: Link