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Masern, Keuchhusten & Co.: Impfen oder nicht?

Der große Fakten- und Mythencheck für Eltern rund um das Thema Kinder impfen

Titelbild Kinder impfen Blogbeitrag

Wovor genau haben wir eigentlich Angst?

“Was, wenn wir unser Kind impfen – und es passiert etwas?” oder: “Was, wenn wir es nicht tun – und es wird krank?” Zwischen diesen beiden Ängsten bewegen sich heute viele junge Eltern. Kein Wunder: Social Media spuckt täglich neue Meinungen, Verschwörungstheorien oder Horrorgeschichten aus. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was wirklich stimmt – und worauf man sich verlassen kann.

Dieser Beitrag will keine medizinische Empfehlung geben. Aber er will eines leisten: Orientierung. Auf Basis von belastbaren Daten, Empfehlungen von STIKO und RKI, wissenschaftlichen Studien – und mit einem klaren Ziel: Eltern die Fakten in die Hand zu geben, die sie brauchen, um informiert, bewusst und ohne Panik zu entscheiden.

Der Impfkalender in Deutschland – ein kurzer Überblick

Die STIKO empfiehlt aktuell Schutzimpfungen gegen folgende Krankheiten im Kindesalter:

  • Rotaviren
  • Diphtherie
  • Tetanus
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Polio (Kinderlähmung)
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib)
  • Hepatitis B
  • Pneumokokken
  • Meningokokken (B und C)
  • Masern, Mumps, Röteln
  • Varizellen (Windpocken)
  • Humane Papillomviren (HPV)
  • RSV (neu: passiver Schutz für Säuglinge)

Los geht’s meist ab der 6. Lebenswoche. Danach folgen mehrere Etappen bis ins Jugendalter. Der Impfkalender des RKI gibt einen strukturierten Überblick:

Hinter jeder Impfung steht eine Krankheit – oft mit fatalen Folgen

Viele denken bei Masern oder Windpocken an ein paar Tage Fieber und Ausschlag. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Die folgenden Beispiele zeigen, wie ernst es werden kann:

Masern

→ Extrem ansteckend: Eine infizierte Person steckt im Schnitt 15–20 andere an
→ Komplikationen: Lungenentzündung (~10 %), Gehirnentzündung SSPE (1:1.000) mit tödlicher Spätfolge
→ Die WHO schätzt: Seit 2000 rettete die Masernimpfung weltweit über 30 Millionen Leben

Keuchhusten (Pertussis)

→ Für Neugeborene lebensgefährlich: Atemaussetzer möglich
→ Im Jahr 2024 war die Zahl der Infizierten so hoch wie seit langem nicht mehr. Ca. 22.500 gemeldete Fälle, insbesondere bei Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren.
→ Impfungen mildern Verlauf, verhindern aber nicht jede Ansteckung

Meningokokken B/C

→ Der Albtraum jedes Kinderarztes: Meningitis oder Sepsis, die innerhalb von Stunden eskaliert
→ Sterblichkeit trotz Behandlung: 5–10 %, Spätfolgen bei jedem Fünften

Rotaviren

→ Massive Durchfälle, Erbrechen, Dehydration bei Babys
→ Vor Einführung der Impfung: tausende Klinikeinweisungen pro Jahr allein in Deutschland

HPV (Humane Papillomviren)

→ Fast alle Gebärmutterhalskrebsfälle sind HPV-bedingt
→ Auch Krebs im Rachen, After und Penis kann durch HPV ausgelöst werden
→ Australien zeigt, was möglich ist: In geimpften Jahrgängen ging die Zahl der Krebsvorstufen um über 80 % zurück

Ein starkes Immunsystem entsteht nicht nur durch Impfungen, sondern auch durch Ernährung. Warum stark verarbeitete Kinderlebensmittel problematisch sind, liest du in Warum stark verarbeitete Lebensmittel Kinder krank machen.

Mythencheck: Drei Irrtümer, die sich hartnäckig halten

👉 Mythos 1: Impfungen verursachen Autismus

  • Ursprung: Eine Studie von 1998 – längst widerrufen und als Datenmanipulation entlarvt
  • Fakten: Großangelegte Studien (z. B. mit über 650.000 Kindern in Dänemark) zeigen klar: kein Zusammenhang

👉 Mythos 2: Kinder bekommen zu viele Impfstoffe auf einmal

  • Realität: Das Immunsystem bewältigt täglich Hunderte Mikroben – Impfstoffe sind da nur ein kleiner Trainingsreiz
  • Moderne Kombinationsimpfstoffe enthalten deutlich weniger Antigene als früher

👉 Mythos 3: Kinderkrankheiten sind harmlos oder verschwunden

  • Masern, Mumps, Röteln und Co. sind nicht ausgestorben – sie kehren dort zurück, wo Impflücken entstehen
  • Und: Hygiene hilft, aber ersetzt keinen Immunschutz – das zeigen Masernausbrüche selbst in gut ausgestatteten Kitas

Herdenimmunität: Schutz, der über das eigene Kind hinausgeht

Ein geimpftes Kind schützt nicht nur sich selbst – sondern auch andere. Vor allem jene, die sich nicht impfen lassen können: Neugeborene, Schwangere, Menschen mit Immunschwäche. Dieser „Gemeinschaftsschutz“ funktioniert nur, wenn genügend Menschen immun sind – bei Masern zum Beispiel sind mindestens 95 % Durchimpfung nötig. Sobald diese Quote unterschritten wird, können sich Erreger wieder ausbreiten – das zeigen Ausbrüche in Regionen mit Impflücken immer wieder.

Impfpflicht? Was rechtlich gilt – und was nicht

Seit 2020 schreibt das Masernschutzgesetz vor: Kinder müssen vor Eintritt in eine Kita oder Schule gegen Masern geimpft sein – oder nachweisen, dass sie bereits erkrankt waren. Eltern, die dem nicht nachkommen, drohen Bußgelder oder der Ausschluss vom Kita-Platz. Für andere Impfungen besteht keine gesetzliche Pflicht, jedoch eine klare STIKO-Empfehlung. Schulen, Jugendämter und Gesundheitsämter nutzen diese Empfehlungen z. B. bei Ausbrüchen oder Schuleingangsuntersuchungen als Richtschnur.

Was STIKO und RKI zum Impfen von Kindern sagen – und warum das relevant ist

  • Impfungen schützen nicht nur das eigene Kind, sondern auch Babys, Schwangere und Menschen mit schwachem Immunsystem
  • Masernimpfung ist gesetzlich vorgeschrieben vor Kita- oder Schuleintritt
  • Um viele Krankheiten auszurotten, braucht es Impfquoten von über 95 % – aktuell liegt Deutschland in vielen Bereichen darunter

Impfstatus und Vorsorge gehören eng zusammen – weshalb viele dieser Themen auch in den U-Untersuchungen besprochen werden. Was dort wirklich passiert, erfährst du in U-Untersuchung Kind: Kindeswohl oder Elternkontrolle.

Fazit: Keine Panik, kein Druck – aber bitte Klarheit

Es geht nicht darum, Eltern zu verunsichern oder zu bevormunden. Es geht um faktenbasierte Entscheidungen. Die Datenlage ist deutlich: Impfungen schützen vor gefährlichen Krankheiten – und das mit sehr hoher Sicherheit.

Ob man Kinder impfen lässt, ist am Ende eine persönliche Entscheidung. Aber sie sollte nicht auf Basis von Facebook-Kommentaren, YouTube-Videos oder Bauchgefühl getroffen werden – sondern auf Basis von validen Informationen.

Deshalb: Fragen stellen, bei Ärztinnen und Ärzten nachhaken, den Impfpass prüfen. Und sich bei Bedarf dort informieren, wo es keine Werbung, keine Verschwörung, sondern Wissenschaft gibt.

Und gerade bei sensiblen Themen wie Impfungen brauchen nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder klare, ehrliche Erklärungen. Warum das so wichtig ist, erfährst du in Warum Kinder klare Antworten brauchen.

Häufige Fragen (FAQ)?

Was passiert, wenn ich eine Impfung im Impfkalender verpasst habe?

Die meisten Impfungen können problemlos nachgeholt werden. Dein Kinderarzt erstellt dafür einen individuellen Nachholplan.

Kann ich mein Baby auch dann impfen lassen, wenn es leicht erkältet ist?

Ja, bei leichtem Schnupfen oder Husten ohne Fieber ist eine Impfung in der Regel unbedenklich. Im Zweifel entscheidet der Arzt vor Ort.

Warum werden manche Impfungen so früh im Leben empfohlen?

Weil Babys besonders anfällig für schwere Krankheitsverläufe sind – frühe Impfungen bauen schnell einen wirksamen Schutz auf.